Stellungnahme
BVES-Stellungnahme zum Szenariorahmen 2027–2040/2045
Der BVES bewertet die Annahmen zu Klein- und Großbatteriespeichern im Szenariorahmen 2027–2040/2045 als deutlich realistischer als in der vorherigen Planung. Gleichzeitig werden wesentliche Wachstumspotenziale noch nicht vollständig erfasst. Insbesondere Co-Location-Speicher, C&I‑Speicher, Speicher für Ladeinfrastruktur sowie industrielle und lokale Versorgungskonzepte dürften künftig einen größeren Beitrag zum Speicherausbau leisten.
Der BVES fordert deshalb eine differenziertere Modellierung von Speicherleistung und Speicherkapazität sowie eine realistischere Abbildung von mehrstündigen Speichern. Auch die Betriebsweise von Großbatteriespeichern sollte nicht pauschal als strommarktorientiert angenommen werden: Zunehmend werden Speicher verschiedene Anwendungen kombinieren und zwischen Stromhandel, Systemdienstleistungen und netzorientierter Flexibilität wechseln. Bei Kleinbatteriespeichern sollte insbesondere der niedrigere Ausbaupfad in Szenario A überprüft und C&I‑Speicher als eigenständiges Anwendungssegment berücksichtigt werden.
Über Batteriespeicher hinaus sieht der BVES ein erhebliches, bislang nicht ausreichend abgebildetes Flexibilitätspotenzial bei Power-to-Heat und thermischen Energiespeichern. Die Kombination aus elektrischen Wärmeerzeugern und Wärmespeichern kann industrielle Stromnachfrage zeitlich flexibilisieren und sollte – analog zur Fernwärme – im Szenariorahmen ausdrücklich berücksichtigt werden. Auch Eigenversorgung, Ladeinfrastruktur und die durch regulatorische Entwicklungen wie AgNes entstehenden neuen Flexibilitätsanreize sollten stärker in die Modellierung einfließen.
Die zentralen Empfehlungen des BVES
- Großbatteriespeicher: Potenziale von Co-Location‑, Industrie‑, Gewerbe- und Ladeinfrastrukturspeichern stärker berücksichtigen.
- Speicherleistung und ‑kapazität: Nicht allein aus Netzanschlussanfragen ableiten und langfristig unterschiedliche Speicherdauern abbilden.
- Multi-Use: Kombination von Strommarkt, Systemdienstleistungen und netzorientierter Flexibilität in der Modellierung berücksichtigen.
- Kleinbatteriespeicher: Ausbaupfade anhand der tatsächlichen Marktentwicklung überprüfen.
- C&I‑Speicher: Als eigenständiges Anwendungssegment ausweisen.
- Thermische Energiespeicher: Gemeinsam mit Power-to-Heat als Flexibilitätsoption der Industrie modellieren.
- Industrielle Eigenversorgung: Batteriespeicher, erneuerbare Eigenerzeugung und flexible Verbraucher als Wachstumstreiber berücksichtigen.
- Elektromobilität: Den Zusammenhang zwischen dem Ausbau von Ladeinfrastruktur und dem Bedarf an Batteriespeichern explizit abbilden.
- Datengrundlage: Auch geplante und sich entwickelnde Marktpotenziale angemessen berücksichtigen, statt den zukünftigen Ausbau überwiegend aus bereits konkreten Projekten abzuleiten.
Der BVES plädiert damit für einen Szenariorahmen, der Speicher nicht nur als zusätzliche installierte Leistung betrachtet, sondern ihre unterschiedlichen Anwendungen, Speicherdauern und Flexibilitätsleistungen im zukünftigen Energiesystem realistisch abbildet.
Mehr dazu im Dokument.

