Niedersächsischer Umweltminister Wenzel sieht Speicher nicht als Letztverbraucher

Im Interview mit der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA) unterstreicht der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) die Forderung des Bundesrates, dass Speicher keine Letztverbraucher seien und die Belastung mit Nutzungsentgelten daher “ungerecht” sei.

Göttingen, 6.1. 2016 – Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) fordert bessere Bedingungen für den Betrieb der deutschen Pumpspeicherkraftwerke. Derzeit springen Betreiber und Investoren ab, Neubauten werden verhindert, auch in Niedersachsen, wie Wenzel am Montag in einem HNA-Gespräch in Hannover sagte.

Warum sind die Rahmenbedingungen schlecht?

Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken müssen zweimal eine Einspeisungsgebühr entrichten, seltsamerweise für das Hochpumpen und dann für das Ablassen und tatsächliche Einspeisen des gewonnenen Stroms ins Netz. „Es werden doppelt Abgaben gezahlt, das ist ungerecht“, sagt Stefan Wenzel.

Warum ist das eigentlich so?

Die Pumpspeicherkraftwerke werden im Gesetz als sogenannte Letztverbraucher behandelt und müssen Netz-Entgelte, Umlagen, Abgaben und Stromsteuer für die Entnahme und spätere Einspeisung von Strom aus und in ein Stromnetz zahlen. Für Wenzel ist das ungerecht, ja widersinnig.

Welche Folgen resultieren daraus?

Mögliche Investoren und Betreiber haben von ihren Bauvorhaben Abstand genommen. In Südniedersachsen sollte ein weiteres Werk mit 200 MW Leistung im Leinetal bei Freden gebaut werden. „Hochtief hat den Plan aufgegeben, will so nicht investieren.“ Doch auch Erweiterungen bleiben aus: Weit weniger als erwartet und erhofft, investiert „Stadtkraft“ im benachbarten Kreiensen: 3,5 Millionen Euro statt der erhofften 70 Millionen werden in das bestehende, siebtgrößte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands gesteckt. Noch gravierender ist der Rückzieher für die Erweiterung der Pumpspeicherkraftwerkgruppe Waldeck am Edersee in Nordhessen: Dort wollte E.ON 250 Millionen Euro in eine 920 Megawatt starke Anlage investieren. Die Planungen liegen, trotz Genehmigung, auf Eis.

Welche Leistung haben die deutschen Pumpspeicherkraftwerke?

Sie könnten maximal 7600 Megawatt Strom ins Netz einspeisen. Die Speicherkapazitäten reichen dabei täglich für vier bis acht Stunden Dauerbetrieb. Daraus ergab sich 2010 eine Gesamtspeicherkapazität von etwa 40 Gigawattstunden. Aber: „Sie laufen nur ein paar hundert Stunden im Jahr. Sie sind fast nicht genutzt“, beschreibt Umweltminister Wenzel die drastische Situation.

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