Neue Speicher statt alter Kohlekraftwerke: Mit Speichertechnologien zur erfolgreichen Energiewende

Berlin, 8. Oktober 2014. Mit 27,7 Prozent liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in den vergangenen neun Monaten auf Rekordhoch. Damit rückt das Ziel der Bundesregierung, bis 2025 den Anteil auf 40 bis 45 Prozent zu steigern, näher. Doch mit der Zunahme von volatilen Energien steigen nicht nur die Herausforderungen für die Stromnetze, es gilt in Zukunft auch an sonnen- und windarmen Tagen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

„Speicher sind die idealen Partner der erneuerbaren Energien“, erklärt Urban Windelen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES), am Rande der heute stattfindenden Speicherkonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums. „Aktuell sichern vor allem alte Kohlekraftwerke unsere Energieversorgung, wenn die Sonne mal nicht scheint und der Wind nicht weht – mit den entsprechenden Folgen für Klima und Umwelt. Speicher sind hier nicht nur die deutlich klimafreundlichere Alternative, sie sorgen auch durch ihre dezentrale Einsatzfähigkeit für Netzstabilität, indem sie schnell und flexibel am Verbrauchsort Energieüberschüsse speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen.“

Speicher statt Netzausbau
Eine der großen Herausforderungen der Energiewende ist es, die zeitliche und räumliche Diskrepanz zwischen Energieproduktion und Verbrauch in Einklang zu bringen. Der Netzausbau soll hier Abhilfe schaffen. Doch Großprojekte wie Höchstspannungsleitungen quer durch Deutschland stoßen bei der Bevölkerung häufig auf Ablehnung. „Ohne die Akzeptanz der Bevölkerung ist die Energiewende nicht umsetzbar“, so Urban Windelen. „Statt einseitig auf Netzausbau zu setzen, sollte in Forschung und Entwicklung der Speichertechnologien investiert und ein fairer Zugang zum Markt ermöglicht werden. Denn Speicher als dezentrale Systemlösung genießen eine deutlich höhere Akzeptanz vor Ort. Zudem machen sie uns unabhängiger von Stromimporten aus dem Ausland.“
Prof. Dr. Eicke R. Weber, Präsident des BVES, ergänzt: „Heute geht es darum, die volatile Einspeisung von erneuerbaren Energien abzufedern und den erneuerbaren Strom zu gesicherter Leistung aufzuwerten. Zukünftig ist es entscheidend für die Versorgungssicherheit, dass genügend Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung steht. Dies können Speicher besonders gut gewährleisten, denn im Gegensatz zum Netz decken sie nicht nur die räumliche, sondern auch die zeitliche Komponente ab.“

Speicher sind günstiger
Kritiker führen häufig den Kostenfaktor als Grund an, warum der Ausbau der Speicher nicht schneller voran getrieben werden solle. Dieses Argument wird auch beispielsweise in der jüngsten Speicherstudie der Agora Energiewende angeführt. Doch die Bewertung der Kosten müssten für das gesamte System gesehen werden, meint Urban Windelen. „Milliarden für Netzausbau und konventionelle Kraftwerke sowie deren negativen Folgen für die Umwelt – diese Kosten werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Doch aus volkswirtschaftlicher Perspektive geht es um die Gesamtkosten der Energiewende. Da dürfen wir nicht nur den Strommarkt allein betrachten, auch der Wärme- und der Mobilitätsmarkt spielen eine Rolle.“ Bei der Power-to-Gas Speichertechnologie kann beispielsweise überschüssiger Strom mithilfe der PEM-Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt werden, der dann in der Industrie oder im Wärmemarkt zum Einsatz kommt.