Energierechtsänderungen aktivieren die Speicher für die Energiewende

BVES begrüßt die EnWG Novelle. Die Doppelbelastung von Speichern nahezu beendet. Mit dem neuen Energierecht ist die Grundlage gelegt: Speichertechnologien spielen nun eine zentrale Rolle im Energiesystem.

Der Bundestag hat heute die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) beschlossen.Der BVES begrüßt das neue Energierecht. Es ermöglicht neue Investitionen und geben zukunftsfähge Impulse für den Einsatz von Energiespeichern im Energiesystem. Die doppelte und mehrfache Belastungen mit Steuern, Umlagen und Abgaben werden weitgehend aufgehoben.

Urban Windelen, BVES Bundesgeschäftsführer: „Jetzt werden Speicher endlich aktiviert! Bei letzter Gelegenheit in dieser Legislatur öffnet sich nun doch noch die Tür für einen systemischen Einsatz sowie den effizienten Multi-Use von Energiespeichern – für ein sicheres, nachhaltiges und kosteneffizientes Energiesystem.“

Sowohl Großspeicher, die nach Ausschreibungen für das Energiesystem im Einsatz sein werden, als auch die über 350.000 kleineren Heim-Speicher in Gebäuden können zukünftig mehrere Dienstleistungen gleichzeitig anbieten (Multi-Use) und marktlich aktiv sein. Doppelte Abgaben, Umlagen und Steuern werden nach der Novelle des Energierechts nicht mehr anfallen.

Multi-Use mit neuen Geschäftsmodellen

Bisher durften Speicher nur Eigenversorgungsleistung erbringen. Anlagen sind nun von dem eindimensionalen Single-Use befreit. Novelle des § 61l EEG nehmen Sie in Zukunft aktiv an den zahlreichen Strommärkten teil. Mit der sogenannten doppelten gewillkürten Vorrangregelung werden diese Speicher wie ein reiner Netzspeicher behandelt.  Damit kommen zwei Zähler zum Einsatz. Die bürokratischen Hürden für das Messkonzept von Multi-Use Speichern entfallen. Mit der Umsetzung des Gesetzes in dieser Form folgt der Gesetzgeber den Vorschlägen des BVES.

Das ursprüngliche Vermarktungsverbot für Großspeicher wurde gestrichen. Voraussetzung ist, dass sie aufgrund einer Ausschreibung oder Vereinbarung mit einem Netzbetreiber betrieben werden. Laut § 11a Abs. 2 EnWG darf ein Speicher auch in den Multi-Use-Modus. Der Vorteil, er nimmt an den Strommärkten aktiv teil; zumindest mit der Leistungsfähigkeit die durch den Netzbetreiber gesetzten Anforderungen übertrifft. Wird die Anlage zeitweise oder dauerhaft nicht für die Erfüllung der Vereinbarung mit dem Netzbetreiber benötigt, dürfen diese zusätzliche Leistung und Arbeit an den Strommärkten veräußert werden. Grundsätzlich nimmt das EnWG damit den Impuls der EU auf, Speicher verstärkt zur Netz-Optimierung einzusetzen. Gleichzeitig wird eine ausgewogene Entscheidungsreihenfolge festgelegt. Der Nachteil bleibt: Die EU-Vorgaben werden nicht 1:1 umgesetzt. Trotz der Verbesserungen führt die Gesetzgebung dazu, dass Deutschland bei der Energiespeicherpolitik einen Sonderweg geht. Statt eines Politikansatzes aus einem Guß droht nun wieder ein europäischer Flickenteppich.

„Unsere Kernforderung – die korrekte Umsetzung der EU-Elektrizitätsbinnenmarkts-Richtlinie in deutsches Recht und damit die Übernahme der höheren Freiheitsgrade für Prosumer und generell für Speicher – ist weitgehend erfüllt.“, so Windelen weiter. „Schade ist, dass es nicht auch die gute Definition von Energiespeicherung ins Gesetz geschafft hat. Damit fehlt weiter die Verankerung von Energiespeicherung als die vierte Säule im Energiesystem neben Erzeugung, Transport und Verbrauch von Energie.“

Der BVES dankt der Bundesregierung, den Bundestagsabgeordneten und Bundesrat sowie den Behörden, etwa  Bundesnetzagentur, für die konstruktiven Diskussionen in den letzten Jahren. Im Ergebnis haben Sie dazu beigetragen, dass die komplexe Regulatorik für Speicher entschlackt worden ist. Weniger Bürokratie bedeutet mehr Investitionen und ein flexibleres Energiesystem.

Urban Windelen: „Endlich können Speicher ihre Stärken auch ausspielen. Die neuen Regelungen im EnWG und EEG sind ein Meilenstein für das Multifunktionswerkzeug Energiespeicher. Noch sind nicht alle Hürden entfernt und Schlaglöcher ausgeglichen, etwa bei der Sektorenkopplung und Technologien wie Pumpspeichern oder Wasserstoff, doch ein Anfang ist endlich gemacht und Speicher werden nicht mehr länger an der Marktteilnahme behindert.“