BVES zieht bei Jahresabschlusstagung positive Bilanz für 2016

Berlin, 9. Dezember 2016 – Speicher sind für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende unverzichtbar. Diese Erkenntnis setzt sich auch zunehmend durch. Der Markt wächst, das Interesse steigt – sowohl in Deutschland als auch weltweit. Damit wächst die Bedeutung von Speichertechnologien für den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland, sowohl bei Herstellung und Vertrieb als auch in der Anwendung. Dieser Entwicklung folgt langsam auch die Politik – ausgehend von den Kommunen, über die Bundesländer und nun auch bis zum Bund.

Mit diesem Resümee des Jahres 2016 startete der BVES in seine Jahresabschlusstagung 2016 am 08. Dezember in Berlin. Über 80 Vertreter von Mitgliedsunternehmen des BVES trafen sich in der historischen Turbinenhalle Moabit in Berlin, um sich über die Arbeit des BVES zu informieren und sich über die Entwicklungen der Speicherbranche auszutauschen und zu diskutieren. Besonderer Dank gilt dem BVES-Mitglied Vattenfall Innovation GmbH, das mit der Überlassung der beeindruckenden Turbinenhalle der BVES-Tagung einen besonderen Rahmen gab und großzügig förderte.

Der erste Teil der Tagung startete mit den Berichten aus der Facharbeit.

Für die AG 1 Politik und Kommunikation stellte Heiko Roß, Leclanché SA die wesentlichen Ergebnisse vor. Eindeutiger Schwerpunkt war die Koordination der Meinungsbildung zu der Vielzahl von Gesetzgebungsvorhaben des Bundes und die entsprechenden Stellungnahmen aufzusetzen und abzustimmen. Allein im Jahr 2016 wurde so zu über 15 verschiedenen für die Speicherbranche wichtigen regulatorischen Maßnahmen ausführlich und kompetent Stellung bezogen. So konnte gesichert werden, dass die Positionen des BVES fundiert in die Gesetzgebungsvorhaben eingebracht wurden und letztlich Gehör finden können. Für das Jahr 2017 werden insbesondere wegen der Bundestagswahl weniger regulatorische Maßnahmen erwartet. Wichtig ist aktuell, in den Wahlprogramme der Parteien Speicher programmatisch zu verankern und möglichst belastbare Aussagen zu erreichen. Dies gilt ebenso für die folgenden Regierungsprogramme oder Koalitionsvereinbarungen. Daneben wird auch in 2017 die Arbeit der neuen Fachgruppen Power-to-X sowie Mess- und Zähltechnik fortgesetzt. Bei beiden Themen stehen Rechtssetzungen und regulatorische Entwicklungen an, für die der BVES bereits heute inhaltliche Positionen besetzen muss.

Dr. Klaus Schneider, Beratung Wasserkraft, Sprecher der AG 2 Speichertechnologien informierte über den Katalog an Speichertechnologien, der in der Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Mit Fact-sheets zu jeder einzelnen Technologie kann nun eine gewisse Vergleichbarkeit der Technologien erreicht werden. In der Verbindung dieser Technologien mit den verschiedenen Anwendungen wurde anschließend eine ausführliche Matrix erstellt. Diese Unterlagen sind alle auf der Homepage des BVES eingestellt und finden nach den Zugriffszahlen große Verbreitung. Aktuell geht es in der AG nun darum, konkrete und tatsächliche Anwendungsbeispiele der verschiedenen Speichertechnologien zu sammeln, um so zusätzlich zu demonstrieren, dass Speicherprodukte bereits breit im Markt vertreten sind und nicht, wie immer wieder dargestellt, Zukunftsprodukte und „nur“ Forschung und Entwicklung.

In Vertretung für Ralf Hettrich, Cetecom ICT Services GmbH, berichtete Miriam Hegner, Referentin des BVES aus der Arbeit der AG 3 Richtlinien, Qualitätskriterien und Standards. In Fortführung der Erstellung des Sicherheitsleitfadens für Li-Ionen Hausspeicher wurde nun ein Leitfaden für Großspeicher entwickelt. Dieser soll Projektierern, Netzbetreibern aber auch Bauämtern und weiteren Behörden eine Handreichung sein, bei der Bearbeitung eines Großspeicherprojekts alle wesentlichen Fragen zu berücksichtigen und eine Leitlinie bilden, die insbesondere bei Sicherheitsfragen Beachtung finden soll. Ein weiterer Schwerpunkt in einer gesonderten Fachgruppe der AG 3 ist derzeit die Erstellung eines Prüfleitfadens für die Charakterisierung der Wirkungsgrade, Standby-Verbräuche und Regelungseffizienz von stationären Batteriespeichersystemen. Eine weitere und neue Fachgruppe beschäftigt sich mit den besonderen Bedingungen für Kleinspeicher an Endstromnetzen. Hier gibt es neue Anschlusskriterien, die begutachtet und kritisch geprüft werden sollen. Über die AG 3 wird zudem die in diesem Jahr aufgestellte Mitarbeit in den Gremien des DKE und des FNN koordiniert. Der BVES konnte Vertreter aus Mitgliedsunternehmen als Fachleute in verschiedene für Speicher relevante Ausschüsse entsenden. Beim DKE und gerade beim FNN werden letztlich die Bedingungen festgelegt, nach denen Speicher überhaupt ans Netz angeschlossen werden dürfen. Hier sind entscheidende Festlegungen im Mittelspannungsbereich sowie im Niederspannungsbereich im Gange, bei denen die Stimme der Speicherbranche dringend eingebracht werden muss.

Im zweiten Teil der Tagung legte zunächst Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Innovation GmbH und Mitglied im Präsidium des BVES die Herausforderungen für das Energieversorgungsunternehmen Vattenfall dar, bei der Einstellung und Umstellung auf die Ziele der Energiewende. Gleichzeitig stellte Vattenfall seine vielfältigen Speicherprojekte vor.

Im Anschluss zeigte Albrecht Gerber, Minister für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg die Bedeutung von Speichertechnologien für das Land Brandenburg auf. Brandenburg ist noch stark geprägt von der Braunkohlewirtschaft, gleichzeitig weit vorn beim Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Nutzung von Speichern (insbesondere Batterien und Power-to-Gas). Zum weiteren Ausbau der Speicher in Brandenburg wird das Land wahrscheinlich im ersten Quartal 2017 eine eigenständige Förderrichtlinie für Speicher veröffentlichen. Mitte Februar 2017 plant das Land zudem einen ersten Speichertag Brandenburg.

Nach dem politischen Impuls und der Diskussion stellte Gunnar Wrede, WredeConsult, Sprecher der AG 5 Recht und Regulierung das gerade veröffentlichte „Winter Package“ der EU-Kommission vor. Mit dem „Winter Package“ werden wesentliche Weichen der europäischen Energiepolitik neu justiert und geordnet. Davon sind natürlich auch Speicher betroffen. Insgesamt wird das Paket aus Speichersicht durchaus positiv bewertet, da es die grundlegende Bedeutung von Speichern anerkennt und ein konsistentes regulatorisches Umfeld einfordert.
Mit einem Ausblick auf die wahrscheinlich im ersten Quartal 2017 zu erwartende Guideline System Operation der EU-Kommission endete der Bericht zu den neuen europäischen Regelungen. Die Guideline System Operation wird wesentliche Änderungen bei der Präqualifikation von Speichern für den Regelenergiemarkt mit sich bringen. Der BVES ist hier im Austausch mit Politik und Regulator, um die Interessen der Speicherbetreiber bei der Umsetzung der Guideline einzubringen.

Zurück zur aktuellen deutschen Rechtssetzung präsentierte Rechtsanwalt Florian Valentin, Kanzlei vBVH, die Neuerungen im gerade verabschiedeten EEG 2017. Ergänzend berichtete Urban Windelen, Geschäftsführer BVES, über den tagesaktuellen Stand der Bemühungen, in die erneute EEG-Novelle noch eine positive Regelung für gemischte Speichermodelle unterzubekommen. Hier sieht es momentan so aus, dass der BVES es schafft, gemischte Betriebsmodelle von einer Doppelbelastung mit der EEG-Umlage zu befreien. Das wäre ein sehr wichtiger Erfolg für die derzeit entstehenden modernen Betriebsmodelle von Speichern.

Die Berichte und Vorträge verdeutlichten die positive Entwicklung der gesamten Branche und die zunehmend regulatorische Berücksichtigung von Speichern. Für ein „Level-Playing-Field“ mit anderen Flexibilisierungsoptionen bleiben jedoch einige grundlegende Probleme zu lösen. Hier bleibt der BVES dran.
Beim anschließenden Empfang war ausreichend Gelegenheit, die Fachthemen weiter zu diskutieren und sich auszutauschen.

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