Stellungnahme zur Konsultation der Modalitäten für Regelreserveanbieter

Energiespeicher liefern bereits heute mit einer Leistung von ca. 170 MW an präqualifizierter Speicherleistung in der Primärregelleistung (kurz: PRL) einen wesentlichen Beitrag zur Systemstabilität in den deutschen Regelzonen. Der BVES begrüßt ausdrücklich, dass die Modalitäten für die Frequenzhaltungsreserven (FCR) und Frequenzwiederherstellungsreserven (FRR) im Rahmen der Konsultation nach Artikel 12 Abs. 4, Artikel 16 Abs. 5, Artikel 18 Abs. 5 und Artikel 34 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2017/2195 der Kommission vom 23. November 2017 zur Festlegung einer Leitlinie über den Systemausgleich im Elektrizitätsversorgungssystem vereinheitlicht werden sollen.

Der BVES, Branchenverband der Energiespeicherindustrie, setzt sich für die wettbewerbliche Weiterentwicklung des Regelenergiemarktes ein. Neue Technologien, Innovationen und Geschäftsmodelle müssen durch eine marktorientierte, technologieneutrale Regulierung angereizt werden, die Diskriminierungen beseitigt bzw. gar nicht erst zulässt. Gerade Energiespeicher und hier insbesondere Batteriespeicher erfüllen die notwendigen technischen Anforderungen an die Primärregelenergie in bisher nicht bekannter Qualität und sind damit ideal für den Einsatz in der Regelenergie.

Für den BVES von oberster Priorität ist es, einen transparenten Regelungsrahmen zu schaffen, der für alle Marktteilnehmer eine technologieoffene und verlässliche Grundlage bietet.

 

Einige im Rahmen der Vorkonsultation seitens des BVES eingebrachten Änderungsvorschläge wurden im aktuellen Dokument Präqualifikationsverfahren für Reservenanbieter (FCR, aFRR, mFRR) in Deutschland (PQ-Dokument) bereits aufgenommen. Der Verband begrüßt dies ausdrücklich und dankt für die Beantwortung der vorgebrachten Fragen.

Drei Punkte sind weiterhin von grundlegender Bedeutung:

  • Der BVES weist ausdrücklich darauf hin, dass gemäß Art. 3 „Ziele und aufsichtsrechtliche Aspekte“ der Verordnung (EU) 2017/219 ein wirksamer Wettbewerb, Diskriminierungsfreiheit und Transparenz als übergeordnete Grundsätze zu beachten sind. Ferner dürfte es sich nach der Rechtsauffassung des BVES bei den hier mit dem jeweiligen Anbieter abzuschließenden Vereinbarungen auch um allgemeine Geschäftsbedingungen im Sinne der §§ 307 ff. BGB handeln, sodass aufgrund dieser Kontrollfunktion auch unangemessene Benachteiligungen nicht wirksam einbezogen werden können.

Die Grundsätze der Verordnung dürften teilweise durch den Antragsentwurf nicht gedeckt sein und zudem gegen das Recht der allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen. Das von den ÜNB vorgeschlagene Prüfverfahren ist in seiner Ausgestaltung in wesentlichen Punkten intransparent, regelt u.a. auch keine Anhörungen und stellt eine große Mehrzahl des Ob und des Wie der Durchführung der Qualifikationsprüfung in das Ermessen der ÜNB. Dies fördert weder einen transparenten Markt noch kann hierdurch das Vertrauen der Stakeholder ausreichend gewährleistet werden.

  • Es wird an mehreren Stellen davon gesprochen, dass Speicher Regelleistung mit Hilfe einer geeigneten Nachladestrategie für eine Dauer von bis zu vier Stunden bereitstellen müssen. Dies darf nur gelten, wenn das Netz im Normalzustand ist. Im Falle des Alarmzustandes dürfen Speicher laut GL SO leer- bzw. voll-laufen. Der BVES bittet um Klarstellung und weist darauf hin, dass es für ein diskriminierungsfreies Vorgehen unabdingbar ist, im gesamten Dokument stets die aktuelle Rechtslage zu berücksichtigen bzw. zumindest jedes Mal auf das Kapitel 3.1.7 zu verweisen, in dem die Rechtslage für den „alert state“ korrekt beschrieben wird. Energiespeicher sind nicht verpflichtet eine volle Zeitverfügbarkeit über Besicherungsverträge nachzuweisen. Wenn dem so wäre, wäre die Präqualifikation nach 15 bzw. 30 Minuten hinfällig, weil der Anbieter bei einem vollen/leeren Speicher im „alert state“ Leistung über einen Besicherungsvertrag garantieren müsste.
  • Weiterhin zu konstatieren ist, dass das vorliegende Dokument in der Präqualifikation für die Primärregelleistung, und damit mutmaßlich auch in der späteren Erbringung eine Abweichung von bis zu +/-20% der Ist-Wertes vom Soll-Wert zulässt. Dies stellt ein offensichtliches Zugeständnis an konventionelle Kraftwerke von Seiten der ÜNB dar. Der BVES bittet an dieser Stelle um eine Begründung, warum es in der PRL die Schwankungsbreite von +/-20% als ausreichend erachtet, wenn in der nachgelagerten und weniger systemrelevanten SRL-Erbringung eine Abweichung von 10% des Ist-Wertes vom Soll-Wert vorgegeben wird. Es ist auch festzuhalten, dass eine 20%ige Schwankungsbreite auf europäischer Ebene einmalig ist und im Widerspruch zu den in anderen Bereichen hohen Anforderungen der ÜNB an technische Einheiten in der PRL steht. Darüber hinaus wäre es interessant zu verstehen, ob diese Schwankungsbreite auch für Energiespeicher in der PRL-Erbringung gilt. Batteriespeicher sind keine mechanischen Systeme. Sie fahren über die Leistungselektronik den gewünschten Frequenzwert punktgenau an. Ein Über- oder Unterschwingen der geforderten Leistung oder eine verzögerte Lieferung, wie etwa bei dampfgesteuerten konventionellen Anlagen sind nicht gegeben. Innerhalb von Millisekunden kann ein Batteriespeicher auf Frequenzschwankungen im Netz reagieren und diese ausgleichen.

 

Weitergehende Informationen zu den für den Verband wesentlichen Punkten im Antragsentwurf für die Festlegung der Modalitäten für die Frequenzhaltungsreserven (FCR) und Frequenzwiederherstellungsreserven (FRR) sind in der kompletten BVES-Stellungnahme aufgeführt: