EU-Parlament gegen Doppelbelastung von Stromspeichern – BVES appelliert mit BEE, BNE und BSW-Solar an Bundesminister Altmaier

  • EU-Parlament will die Doppelbelastung mit Steuern und Abgaben für Energiespeicher bei Netzdienstleistungen endlich abschaffen.
  • Energiewende-Verbände appellieren an Bundesminister Altmaier, den Vorschlag nicht zu blockieren.

Die Energiewende-Verbände BVES, BEE, BNE und BSW-Solar appellieren in einem gemeinsamen Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Altmaier, eine entscheidende Weichenstellung für Energiespeicher am Mittwoch in Brüssel nicht zu blockieren. Der Beschluss des EU-Parlaments sieht vor, Energiespeicher dann von doppelten Abgaben und Steuern zu entlasten, wenn sie das Stromnetz stützen, also netzdienlich eingesetzt werden.

„Das EU-Parlament ist mit seinem Vorschlag auf dem richtigen Weg“, so Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher (BVES). „Netzdienliches Verhalten und die Bereitstellung von Netzdienstleistungen aus Energiespeichern mit doppelten Abgaben für die gleiche kWh zu belasten, ist schon immer Unsinn, doch leider Realität. Der Vorschlag des EU-Parlaments ist ein wesentlicher Schritt hin zu einer digitalen und dezentralen Energiewende“, führt Windelen weiter aus, „da endlich der Weg frei gemacht wird, die Flexibilisierungsoption Energiespeicher systemisch richtig einzusetzen. Mit der bisherigen Doppelbelastung nur für Speicher, ist dies für den Betreiber mit hohen Kosten verbunden.“

Die Verbände fordern von Bundeswirtschaftsminister Altmaier, diesen Vorschlag des EU-Parlaments nicht im Rat zu blockieren und so den systemdienlichen Einsatz von Speichern endlich zu ermöglichen.

„Wir brauchen auf dem Energiemarkt endlich faire Regeln zwischen den fossilen und den neuen Technologien“, sagt Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes neue Energiewirtschaft (BNE). „Die Wettbewerbsverzerrung zu Lasten des Stromes und insbesondere des erneuerbaren Stromes muss durch eine nach den CO2-Emissionen der Energieträger gerichtete Lastenteilung der Abgaben und Umlagen auf die Energieträger beseitigt werden. Dazu gehört insbesondere die Befreiung der Speicherung von der Doppelbelastung. Sowohl die Netzentgelte als auch die Umlagen müssen so gestaltet werden, dass Flexibilisierung und Speicherung nicht länger behindert, sondern angeregt werden.“

Faire Regeln auf dem Energiemarkt und bei den Intelligenten Netzen ermöglichen es, dass neue, saubere Technologien noch mehr Systemverantwortung übernehmen. Diese Fairness ist nicht gegeben, wenn fossiler Strom faktisch abgabenfrei Netzdienstleistungen liefern kann, während die Kilowattstunde aus dem Speicher zum Teil doppelt kostet“, so Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). „Jetzt ist die Chance da, eine Netzdienstleistung nicht wie einen Letztverbraucher zu besteuern. Solange der Strom nicht verbraucht, sondern später dem Netz wieder zur Verfügung gestellt wird, gehen dem Staat oder dem System auch keine Einnahmen verloren.“

„Heute bremst die Doppelbelastung den netzdienlichen Einsatz von Speichern und damit die Entwicklung der gesamten Speicherbranche deutlich“, ergänzt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). „Wenn wir dagegen endlich zeigen können, wie Netze, Speicher und Elektromobile sich digital gesteuert flexibel abstimmen, dann wird auch in die Energiewende eine neue Dynamik kommen. Und Europa könnte hier die Technologieführerschaft gehören.“

Bisher lehnt der Rat der EU-Mitgliedstaaten die Forderung des Parlaments ab und formuliert, dass lediglich eigenerzeugter, gespeicherter und vor Ort direkt selbst verbrauchter Strom keine doppelten Entgelte und Abgaben zahlt. „Keine doppelten Netzentgelte auf eigenerzeugten Strom“, so lautet das Angebot des Rates.

„Dieser Vorschlag ist jedoch leider paradox und kein Entgegenkommen“, so Urban Windelen, „Eigenerzeugten und eigenverbrauchten Sonnenstrom auch nur einmal mit Netzentgelten zu belasten, ist kontraproduktiv. Wir hoffen, dass Deutschland seine Position noch einmal überdenkt“.

Die Position des EU-Parlaments hingegen wäre auch auf der Linie des Koalitionsvertrages, der eine Änderung der Abgabenlast für Energiespeicher fordert. Zudem hat der Bundesrat bereits in mehreren Beschlüssen von der Bundesregierung gefordert, den Status als Letztverbraucher für Energiespeicher und damit die Doppelbelastung zu streichen. Auch die EU-Kommission hatte bereits Ende 2016 in einem Entwurf dargelegt, wie flexible Endkunden besser in das Energiesystem integriert werden sollen. Eine zentrale Rolle spielen dabei in Zukunft Kunden („Prosumer“), die über Systeme aus erneuerbarer Stromerzeugung, Speicher und Elektrofahrzeug verfügen und ihre Flexibilität dem Netz anbieten können.

 

Hintergrund: Ein Haushaltkunde mit Energiespeicher zahlt bei der Speicherung von Strom aus dem Netz stets etwa 21 Cent pro kWh an Abgaben und Umlagen. Die 21 Cent pro kWh an Abgaben und Umlagen muss ein Haushaltskunde auch dann bezahlen, wenn er den Strom später wieder in das Netz zurückspeist und mit der Einspeisung Netzprobleme ausgleicht. Für diese zuvor gespeicherte kWh wird dann nochmals der gleiche Abgabenbetrag fällig.

Digital vernetzte Solaranlagen, Speicher und Elektromobile gelten als Schlüsseltechnologien für die Energiewende. Seit Ende 2016 verhandelt die EU das zukünftige Strommarktdesign im Zuge des sogenannten Clean Energy Package. Ein wichtiger Aspekt ist dort die zukünftige Rolle von „active customers“, die selbst Strom erzeugen, speichern, verbrauchen und liefern (siehe Artikel 15 der Electricity Market Design Directive). In Deutschland werden diese Kunden häufig auch „Prosumer“ genannt. Ihre Ausgestaltung wird zurzeit im sogenannten Trialog-Verfahren zwischen EU Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten verhandelt.

Die nächste Verhandlung findet am Mittwoch, den 5. Dezember statt. Das EU Parlament hatte gefordert, dass „active customers“ mit Speicher keine doppelten Abgaben mehr bei der Erbringung von Netzdienstleistungen zahlen müssen. Der Rat der EU Mitgliedstaaten hingegen will das Verbot der Doppelbelastung nur auf vor Ort erzeugten, gespeicherten und nachfolgend selbst verbrauchten Strom anwenden. Die doppelte Belastung mit Abgaben und Umlagen auf gespeicherten Strom ist zentrales Hemmnis für den Ausbau von Speichern in Deutschland. Grundsätzlich sind Energiespeicher jeder Art und Größe technisch hervorragend zur Erbringung von Systemdienstleistungen wie Regelenergie, Redispatch usw. geeignet.

Weitere Informationen: Aktueller Entwurf und offizieller Verhandlungsstand, die strittige Passage findet sich in Zeile 307: http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7506-2018-REV-7/en/pdf

 

                             

 

 

Mehr Mut für unsere Energiezukunft! Der BVES setzt energiepolitische Impulse für das Jahr 2019

Anlässlich des BVES-Jahresabschlusses 2018 verstärkt der Verband seine Forderungen für ein zukunftsfähiges, flexibles Energiesystem und für mehr energiepolitische Dynamik im Jahr 2019.

„Wir müssen den energiepolitischen Stillstand überwinden und mit klaren, nicht zögerlichen Positionen in die Zukunft gehen. Den politischen Versprechen und Zielen – wie beispielsweise dem Abkommen von Paris – müssen unmissverständliche und investorensichere Taten und Rechtsgrundlagen folgen. Wer ein Ziel verfolgt, muss die Kraft bündeln. Es ist längst an der Zeit, die ökonomischen und ökologischen Potenziale des künftigen Energiesystems zu nutzen und mutig die nächsten großen Schritte zu gehen. Dies betrifft unter anderem die Rolle von Flexibilität und Energiespeichern, deren strategische und regulatorische Integration ins dezentrale und sektorenübergreifende Energiesystem der Zukunft überfällig ist“, so Thomas Speidel, BVES-Präsident.

Die Rolle von Flexibilität und Energiespeichern in Verbindung mit erneuerbarer Erzeugung für die Energiewende stand auch im Mittelpunkt des Impulsvortrags von Dr. Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), der sich mit dem BVES über die Entwicklung von Lösungen für die flexible Sektorenkopplung austauschte. Die BVES-Jahrestagung bot außerdem einen guten Rahmen für den Expertenaustausch zwischen Deutschlands Energiespeicherbranche und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Die Diskussionen stellten die zentrale Rolle von Speichern für ein zukunftsfähiges Energiesystem deutlich heraus: Flexibilitätsoptionen wie Energiespeicher müssen im System sinnvoll integriert werden, um die Dekarbonisierung aller Energiesektoren zu verwirklichen.

Damit Speicher ihre systemdienlichen Fähigkeiten für ein nachhaltiges Energiesystem optimal entfalten können, müssen sie im Energierecht systemisch berücksichtigt werden. Der BVES fordert seit Langem die rechtliche Einordnung von Speichern als vierte Säule des Energiesystems neben Erzeugung, Transport und Verbrauch. Damit verbunden muss der Rechtsrahmen für Speicher vereinheitlicht werden, sodass bestehende Diskriminierungen für Speicher abgeschafft werden und der Zugang zu den Märkten technologieoffen geregelt ist.

Angesichts der klimapolitischen Herausforderungen ist die Systemintegration von Speichertechnologien eine besonders dringende Aufgabe, welche die verkürzten Ansätze des Energiesammelgesetzes nicht bewerkstelligen können.

In das Jahr 2019 startet der BVES mit einer Erweiterung des Vorstands. Auf der Mitgliederversammlung wurden fünf neue Unternehmensvertreter in den BVES Vorstand gewählt. Der BVES bedankt sich bei den ausscheidenden Vertretern für die hervorragende Zusammenarbeit und die wichtigen Impulse für die inhaltliche Ausrichtung des BVES. Gleichzeitig freuen wir uns auf die Arbeit mit den neuen Vorstandskollegen von Arge Netz GmbH, Bosch Thermotechnik GmbH, CMBlu AG, EDF Deutschland GmbH und Tesla Motors Germany GmbH.

Neben Johannes Hauck (Hager Electro GmbH & Co. KG) und Giacomo D´Ignazio (Nidec ASI GmbH) sind damit folgende Personen im Vorstand vertreten:

  • Björn Spiegel (ARGE Netz GmbH)
  • Ralf Klein (Bosch Thermotechnik GmbH)
  • Stefan von Westberg (CMBlu Projekt AG)
  • Jean-Marc Bazenet (EDF Deutschland GmbH)
  • Dr. Marcus Müller (Tesla Motors Germany GmbH)

Dr. Susanne Schmidt (VNG Gasspeicher GmbH) wurde einstimmig zur neuen BVES-Kassenprüferin gewählt und ist nun zusammen mit Martin Heins (Mitsubishi International GmbH) Amtsträgerin. Sie übernimmt die Position turnusmäßig von Thomas Timke (Solarwatt Gmbh), welchem unser herzlicher Dank für die zuverlässige Amtsausführung gilt.

 

BVES-Jahresabschlusstagung 2018 in der Historischen Turbinenhalle in Berlin

Von links nach rechts: BVES-Präsidiumsmitglied Bernhard Rill (Gustav Klein GmbH&Co.KG), BEE-Geschäftsführer Dr. Peter Röttgen, BMVI-Staatssekretär Steffen Bilger (MdB), BVES-Präsident Thomas Speidel, BVES-Präsidiumsmitglied Heinrich Gärtner (GP Joule), BVES-Vorstandsmitglied Björn Spiegel (ARGE Netz GmbH) und BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen.

BVES-Präsident Thomas Speidel und BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen zur Eröffnung

Der BVES begrüßt die EU-Parlamentsbeschlüsse zur EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie II (RED II)

Das EU-Parlament hat vier der acht Vorhaben aus dem EU-Winterpaket „Clean Energy for All Europeans“ verabschiedet. Nach der Zustimmung des Ministerrats ist die Bundesregierung in der Pflicht, die EU-politischen Beschlüsse in nationale Energie- und Klimapläne umzusetzen. Der BVES fordert eine zügige Umsetzung der EU-politischen Pläne und begrüßt, dass das EU-Parlament an politischen Zielen festhält, die bereits zum Zeitpunkt der Trilogeinigung grundsätzlich die BVES-Positionen weitgehend aufgreifen. Ein wesentlich positives Signal ist die Bekräftigung des Erneuerbaren-Ziels von 32 Prozent durch das EU-Parlament; verbunden mit dem politischen Willen dieses Ziel kurzfristig stärker zu erhöhen. Die vom EU-Parlament beschlossenen politischen Vorhaben legen die Basis für einen rechtlichen Handlungsrahmen, der die Systemintegration von Energiespeichern besser zulässt und gegen Diskriminierung im Energiemarkt vorgeht.

Der BVES zur RED II-Trilogeinigung im Juni:
RED II stellt fest, dass das neue verbindliche EU-Erneuerbare-Energien-Ziel von 32% bis 2030, von einer verbesserten Systemintegration von Energiespeichern abhängt und auch nur über den verstärkten Einsatz von Energiespeichern erreicht werden kann. Die EU-Kommission hebt in diesem Zusammenhang Dezentralität als treibende Kraft der Energiewende hervor und identifiziert die Doppelbelastung aus Abgaben („charges and fees“) von Eigenverbrauchsanlagen als Diskriminierung.
Dies entspricht einer langjährigen Grundforderung des BVES. Entsprechend sollen erneuerbare Eigenverbraucher keinen diskriminierenden Maßnahmen einschließlich Abgaben auf den Eigenverbrauch inklusive Speicher ausgesetzt werden. Die neue 30 kWp-Obergrenze aus der RED II ist ein Kompromiss, aber doch ein wesentlicher Fortschritt zu den aktuell noch geltenden Regelungen. Gerade für gemischte Speicherbetriebsmodelle und systemische Anwendungen mit Speichern ergeben sich durch die neue 30kWp-Regelung viele neue Chancen.

„Die RED II kommt den notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen für Energiespeicher ein wichtiges Stück näher. Die neuen EU-Vorgaben eröffnen damit neue Chancen zur Potentialentfaltung von Energiespeichern für eine nachhaltigere und effizientere Energieversorgung. Dieser positive Trend muss sich in den aktuellen Trilogverhandlungen zur Elektrizitäts-Binnenmarkt-Richtlinie (Market Design Directive, MDD) und -Verordnung (Market Design Regulation, MDR) fortsetzen. Wir arbeiten erwartungsvoll auf die überfällige Speicherdefinition und etwa die Festlegungen zu Besitz und Betrieb von Speichern hin.”

IEA-Energy Storage Technical Collaboration Platform – BVES ist offizieller Kooperationspartner

Der BVES ist offizielles Mitglied der Energy Storage Technical Collaboration Platform der Internationalen Energieagentur (IEA).

Dr. Andreas Hauer (BVES-Präsidiumsmitglied, ZAE Bayern) vertritt den BVES im Technologienetzwerk der IEA und sieht der Kooperation entgegen: “This is the beginning of a fruitful exchange on international storage topics. The concentration of forces will lead to higher impact on national and international decision makers.”

Internationale BVES-Kooperationen – Aktuelle Informationen

Aktuelle Informationen zu:

Japan

USA

Europa

 

Japan:

Der “Energy Storage Summit Japan“ (ESSJ) ist Teil der global aufgestellten “Energy Storage”-Konferenzmessenreihe der Messe Düsseldorf. Japan zählt zu den vielversprechendsten Märkten für Energiespeichertechnologien. Wer den Markt aus nächster Nähe kennenlernen möchte, sollte die diesjährige ESSJ vom 16. – 18. Oktober 2018 in Tokio nicht verpassen. Weitere Informationen.

 

USA:

Die Energy Storage North America (ESNA) findet in Kürze vom 6. bis 8. November im kalifornischen Pasadena statt. Das wichtigste Energiespeicher-Event Nordamerikas deckt thematisch alle Speicheranwendungen und deren Systemintegration in der Region ab. Dieses Jahr rücken zudem die Themen Mobilität und Infrastruktur durch den Kooperationspartner Calstart (dem amerikanischen Konsortium für fortschrittliche Transporttechnologien) noch stärker in den Fokus. Auf einer gemeinsamen Konferenz werden die Bereiche klimafreundliche Verkehrstechnologien, wie auch Verkehrspolitik und -infrastruktur diskutiert. Der BVES ist vor Ort mit einer Unternehmensdelegation vertreten.

Kurzentschlossene BVES-Mitglieder, die nicht mehr teil der BVES-Delegation sein können, können sich zu BVES-Sonderkonditionen für die ESNA registrieren (weitere Informationen auf Anfrage über die BVES-Geschäftsstelle).

 

Europa:

Die nächste “Energy Storage Europe“ (ESE), die europäische Leitmesse für Energiespeichersysteme, findet vom 12. bis 14. März 2019 wieder auf dem Düsseldorfer Messegelände statt. Weitere Informationen.

Für Speicher stimmen! – Nutzen statt abregeln.

Jetzt für Speicher stimmen. Der BVES unterstützt die Kampagne Windretter. Der BVES fordert gemeinsam mit den Unterstützern der Kampagne Windretter den verstärkten Einsatz von Speichertechnologien für erneuerbare Energiequellen. Speicher müssen als eigenständiger Baustein der Energiewende in den Gesetzgebungswerken aufgenommen werden. Stimmen Sie mit uns für Speicher ab!

80 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland muss bis 2050 aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Dazu steht im Widerspruch, dass die schnellregelbaren Erneuerbare-Energieanlagen zunehmend und im großen Stil abgeschaltet werden, um lokale Netzengpässe und die mangelnde Flexibilität konventioneller Kraftwerke und KWK-Anlagen auszugleichen. Das, obwohl mithilfe von vielseitig anwendbaren Speichertechnologien überschüssiger erneuerbarer Strom intelligent(er) nutzbar ist. Speichertechnologien ermöglichen die flexible Bereitstellung von Energie in allen Sektoren: Strom, Wärme und Mobilität. Es ist höchste Zeit, dass die Politik einen sinnvollen Rechtsrahmen für Energiespeicher setzt, der die effiziente Nutzung von Erneuerbaren Energien ermöglicht.

Für mehr Informationen siehe www.windretter.info.

Power-to-X: Flexible Speicherlösungen für die Sektorenkopplung

Berlin, 25. September 2018 – Der BVES veröffentlicht seine Kernforderungen zur Systemintegration von Power-to-X (PtX)-Energiespeicherlösungen.

 

Mit flexibler Sektorenkopplung CO2– Emissionen senken 

Power-to-X-Technologien (PtX) überwinden Sektorengrenzen, übertragen flexibel Energie und tragen so nachhaltig zur Reduktion von CO2-Emissionen und zur Effizienz bei. Daneben gleichen integrierte Energiespeicher in system-, netz- und marktdienlicher Betriebsweise die Volatilität erneuerbarer Energie aus und geben damit einen entscheidenden kostensenkenden Effekt in das Gesamtsystem.

Energiewandlung ist kein Energieverbrauch

Die besonderen Potentiale von Energiespeichern auch bei der Sektorenkopplung werden im deutschen Recht aktuell nur marginal berücksichtigt. Stattdessen werden Speicher pauschal als Letztverbraucher eingestuft, an die die Erhebung von Umlagen und Abgaben knüpft. Darüber hinaus erkennt der regulatorische Rahmen in der Regel die Senkung von CO2-Emissionen nicht an und es fehlt die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit.

Viele PtX-Systeme sind bereits heute kommerziell und industriell verfügbar. Trotz ihrer Systemvorteile werden in Deutschland aufgrund der regulatorischen Bedingungen nur sehr wenige Speicher und Power-to-X-Anlagen gebaut. Dabei könnten Speicher bereits heute den Bedarf an Flexibilität in vielen Fällen volkswirtschaftlich günstiger und technisch besser erfüllen als herkömmliche Erzeugungsanlagen oder Instrumente.

Energiewendekosten auf die Schultern aller Sektoren verteilen

Der BVES plädiert für ein grundlegendes Umdenken weg von einer einseitig über den Stromsektor finanzierten Energiewende hin zu einer sektorengerechten Wälzung der Kosten auf alle Energieerzeugnisse. Das zukünftige Energiemarktdesign muss verlässliche Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Sektorenkopplung schaffen und die Senkung von CO2-Emissionen honorieren. Das Design muss zudem unbedingt den Grundsatz der Technologieoffenheit respektieren.

 

Konkrete Lösungsansätze liegen vor

Der BVES erläutert in seinem Positionspapier konkrete Lösungsansätze zur verbesserten wirtschaftlichen und systemdienlichen Implementierung von PtX-Technologien, die den netzdienlichen Einsatz, die intelligente Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien in Zeiten von Einspeisemanagement oder die Stärkung regionaler Ansätze berücksichtigen. Anhand von Anwendungsbeispielen für Power-to-Gas (PtG), Power-to-Methane (PtM), Power-to-Liquid (PtL), Power-to-Heat (PtH) oder Power-to-Heat-to-Power (PtHtP) zeigt der BVES, dass bereits heute bedeutende Projektgrößen umsetzbar sind, die für Marktakteure auch außerhalb des F&E-Bereichs interessant sind.

Bundesregierung muss Handlungsaufträge jetzt umsetzen

Die politischen Handlungsaufträge im Koalitionsvertrag müssen heute realisiert werden, damit PtX-Technologien zur Anwendung kommen und ihren entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele einbringen können und zudem ihre immensen wirtschaftlichen Chancen der Technologien für den Standort Deutschland ausspielen können.

 

Die Kopplung der Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität in Verbindung mit Speichertechnologien ist ein in sich schlüssiges und nachhaltiges Konzept für unsere Energieversorgung, das unser System effizienter und klimafreundlicher macht. Die wesentliche regulatorische Bedingung hierfür ist, von einem reinen Strom- zu einem ganzheitlichen Energiesystem zu kommen, in dem die Energie zwischen den Sektoren frei fließen kann.

BVES in gemeinsamer Erklärung zur EU-Electricity Market Design Directive (MDD) and Regulation (MDR)

Der BVES verstärkt seine Forderungen zur EU-Electricity Market Design Directive (MDD) and Regulation (MDR) in einer gemeinsamen Erklärung mit Vertretern der europäischen Energiebranche. Anlässlich der bevorstehenden Konferenz „Charge for Change: Innovative Technologies for Energy-Intensive Industries” in Linz, zu der hochrangige Vertreter der EU-Energiepolitik geladen sind, richtet sich das Schreiben an den österreichischen Vorsitz im Rat der EU sowie den EU-Energieministern und Ständigen Vertretungen in der EU.

Der BVES hat sich zuvor in die MDD-Trilogverhandlungen mit einer Position eingebracht. In der gemeinsamen Erklärung betont der Verband die herausragende Bedeutung von dezentralen Energiespeichern im Energiesystem und hebt die besondere Rolle von nachfrageorientierter Flexibilität hervor. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen nun die Gelegenheit zur MDD/MDR nutzen, um die Potenzialentfaltung von Energiespeichern für das Energiesystem wirksam zu heben.

 

Ein intelligentes Strommarktdesign setzt auf Flexibilität – Stellungnahme zur EU-Electricity Market Design Directive

Energiespeicher sind eine Schlüsseltechnologie, um Erzeugungsanlagen, Verbrauchseinrichtungen und auch das Netz effizienter, leistungsstärker sowie ökonomischer und flexibler zu machen. Als Schlüsseltechnologie schaffen sie die konstitutiven Voraussetzungen für Verbraucher, die eine aktive Rolle in der Energiewende übernehmen wollen.

Die Systemintegration der Schlüsseltechnologie Energiespeicher ist ein Fokusthema der aktuellen EU-Trilogverhandlungen zur Elektrizitäts-Binnenmarkt-Richtlinie (MDD). Der BVES hat sich in die laufenden Trilog-Verhandlungen mit einer Stellungnahme zur MDD konstruktiv eingebracht (siehe BVES-Stellungnahme).

Der BVES begrüßt in seiner Positionierung, dass die überfällige und vom Verband lange geforderte Energiespeicherdefinition nun ein grundlegender Bestandteil der MDD ist.  Energiespeicher müssen endlich als das definiert werden, was sie sind: Speicher – zeitliche Verzögerungselemente, die nicht in die klassischen Energiesystemkategorien Erzeuger, Verbraucher oder Transport passen. Die EU-Definition von Speichern geht nun in diese zielführende Richtung.

Eine weitere Maxime in der MDD muss die Einhaltung des Unbundling-Prinzipes sein. Netzbetreiber können folglich Speicherdienstleistungen über das sogenannte „Drittbetreibermodell“ am Markt beschaffen. Im Sinne eines technologieoffenen Level-Playing Fields mit fairen und offenen Marktzugangs- und Beschaffungsverfahren für alle Marktteilnehmer muss dieses Grundprinzip beibehalten werden und darf nicht in definitorischen Grauzonen wie beispielsweise dem Label “fully integrated network components“ verblassen.

„Flex it First“ – dieser Leitsatz subsumiert eingängig geeignete Handlungsansätze für die MDD. Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber sollten Speicher als Flexibilitätsoption in ihren Netzentwicklungsplänen berücksichtigen, anstatt sich allein auf den Netzausbau zu beschränken. Die gesamtsystemischen Vorteile, die ein „Flex it First“-Ansatz ermöglicht, werden auch von aktiven Verbrauchern vorangetrieben, die selbsterzeugte erneuerbare Energie mittels Speichern der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Ein zeitgemäßes Strommarktdesign darf keine überproportional hohen Hürden für „aktive Verbraucher“ aufstellen. Der BVES begrüßt ausdrücklich, dass dies in den laufenden Verhandlungen erkannt wird.

Im Zuge des EU-rechtlichen Updates können jetzt wesentliche Weichenstellungen zur verbesserten Systemintegration von Speichern und zur Stärkung der Verbraucher bei der Umsetzung eines dezentralen, nachhaltigen Energiesystems rechtzeitig gelegt werden.

Der BVES plädiert dafür, dass die MDD-Trilogverhandler diese Chancen wahrnehmen und fordert, dass sie die rechtliche Einordnung von Speichern als vierte Säule des Energiesystems – wie in den aktuellen Arbeitspapieren angelegt – nun auch umsetzen.

1 + 1 = 2! Stellungnahme zur eichrechtskonformen Verrechnung mehrerer Messwerte

  • Der BVES positioniert sich im Rahmen der aktuellen Anpassung der Mess- und Eichrechtverordnung für die eichrechtliche Anerkennung der in der Praxis verbreiteten Verrechnung von zwei oder mehreren mit geeichten Zählern gemessenen Messwerten.
  • Der BVES hat mit seinem Messkonzept, anknüpfend an § 61k EEG für den multivalenten Betrieb von Speichern, bereits eine Anwendungshilfe zur eichrechtlich konformen Messung und Zuordnung der Energieflüsse in und aus dem Speicher veröffentlicht.
  • Praxisferne Widersprüche unter den aktuellen eichrechtlichen Bedingungen müssen aufgelöst werden und der politische Wille für moderne, gemischte Speichermodelle auch im Eichrecht Ausdruck finden.

Berlin, 27. August 2018 – Ergibt eine geeichte 1 plus eine geeichte 1 in der Summe ausreichend sicher eine 2? Der BVES bezieht in dieser Frage Stellung zur aktuellen Konsultation der EEG/KWKG-Clearingstelle, welche die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in der Ausgestaltung einer Regel nach § 46 des Mess- und Eichgesetzes unterstützt (siehe BVES-Stellungnahme).

Der BVES begrüßt, dass die Einbindung der EEG/KWKG-Clearingstelle die ursprüngliche Absicht der zweiten Änderungsverordnung zur Mess- und Eichverordnung (§ 25 Nr. 7 MessEV) stärker voranbringt: nämlich die Verrechnung von zwei oder mehreren mit geeichten Zählern gemessenen Messwerten eichrechtskonform zu ermöglichen. Geeicht erfasste Werte müssen addiert werden können, ohne die Summe erneut geeicht zu erfassen.

Der BVES hat mit dem BVES-Messkonzept hierfür bereits die Grundlagen gelegt. Das BVES-Messkonzept wurde anknüpfend an § 61k EEG für den multivalenten Betrieb von Speichern veröffentlicht, um eine rechtssichere Anwendungshilfe zur Messung und Zuordnung der Energieflüsse in und aus dem Speicher zu bieten.

Nun ist es von fundamentaler Bedeutung, dass der politische Wille aus § 61k EEG (zur Anwendung von modernen gemischten Speichermodellen) gefördert und nicht durch zusätzliche regulatorische Vorgaben in der Gesetzesauslegung konterkariert wird. Der Handlungsauftrag im Koalitionsvertrag, Speichern die Möglichkeit zu eröffnen, mehrere Dienstleistungen gleichzeitig zu erbringen, muss realisiert werden.

Die Einführung multivalenter Speicher ist technisch bereits gelungen. Doch massive Rechtsunsicherheiten durch eichrechtliche und administrative Anforderungen, die sich teilweise gar nicht oder nur unter erheblichem Kostenaufwand umsetzen lassen, sowie die geringfügige Berücksichtigung von digitaler Mess- und Zähltechnik, blockieren die Einführung dieser vielversprechenden Zukunftstechnologie. Der BVES mahnt in seiner Stellungnahme an, dass eine rechtliche Klarstellung zwingend notwendig ist und die eichrechtliche Anerkennung von Verrechnungen mit Messwerten mehrerer geeichter Zähler regulatorisch verankert werden muss. Dabei ist zu beachten, dass Messkonzepte, die die Optimierung von Eigenverbrauch und die Bereitstellung von Regelleistung kombinieren, in die Regelfindung mit einbezogen werden. Insbesondere im Kontext der lokalen Versorgung von Verbrauchern ist die differenzierte Betrachtung zwischen rein mathematisch und wirtschaftlich relevanten Messdaten außerdem bedeutsam.

Für das Gelingen der Energiewende brauchen wir einen regulatorischen Rahmen, der die systemdienliche Potentialentfaltung von Speichern unterstützt. Der BVES fordert konsequent die rechtliche Aufstellung von Speichern als vierte Säule des Energiesystems neben Erzeugung, Transport und Verbrauch.