BVES-Branchenzahlen 2019 – Deutsche Speicherbranche technologieübergreifend gut aufgestellt

Die deutsche Energiespeicher-Branche wächst – über alle Technologien hinweg. Das belegen die BVES-Branchenzahlen 2019, die der BVES Bundesverband Energiespeicher e.V. heute bei der Energy Storage Europe 2019 in Düsseldorf präsentierte. Jedoch: Das Wachstum findet zunehmend außerhalb Deutschlands statt. Im heimischen Markt wird die Entwicklung von den regulatorischen Rahmenbedingungen ausgebremst.

Mehr Hausspeicher, mehr Industriespeicher, mehr Großspeicher: Die Branchenzahlen 2019 des BVES, dem Branchenverband der gesamten Energiespeicherindustrie, bestätigen den im vergangenen Jahr prognostizierten Wachstumskurs der deutschen Energiespeicherbranche und unterstreichen ihre industriepolitische Relevanz für Deutschland. Mit der umfassenden Marktanalyse hatte der BVES erneut Team Consult beauftragt.

„Die deutsche Speicherbranche hat gerade bei innovativen Speichersystemen über Sektorengrenzen hinweg einen technologischen Vorsprung vor den internationalen Wettbewerbern und ist für die künftigen Anforderungen an das Energiesystem grundsätzlich hervorragend aufgestellt“, zieht Urban Windelen, BVES-Bundesgeschäftsführer, Bilanz. Sorge bereiten jedoch die weiterhin mangelnden regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das Wachstum der Branche findet zunehmend im Ausland statt. Dagegen droht dem Inlandsmarkt von widersinniger Regulatorik ausgebremst zu werden.

„Energiespeicher sind ein zentraler Pfeiler für den Erfolg der Energiewende. Doch ohne passende rechtliche Einordnung können sie ihren umfassenden systemischen Beitrag nicht leisten“, erklärt Urban Windelen. „Energiespeicher zeigen ihre technologische Exzellenz erneut bei der Energy Storage Europe, der Leitmesse für Energiespeichertechnologien und Anwendungen. Doch wenn wir die Produkte nicht in Deutschland in den Markt bekommen, sind der Vorsprung und die Exzellenz schwer zu halten“, so Windelen weiter.

Im Untersuchungszeitraum weisen alle Speichertechnologien eine positive Marktentwicklung auf. So wächst nicht nur die Zahl von Batterien in Haushalten um mehr als 40.000 Stück, sondern auch der bereits in den letztjährigen Branchenzahlen überproportional wachsende Bereich der Industriespeicher weiter an. Allein der Bereich der Großbatterien, primär für Regelenergie eingesetzt, konnte seinen Wachstumskurs nicht wie prognostiziert fortsetzen. Hier wurden aufgrund der schlechten Preisentwicklung im Regelenergiemarkt einige Projekte gestoppt oder zumindest verschoben. Zudem ist der Markt in der Größe begrenzt und mit den bestehenden Großspeichern bereits gut besetzt.

Das schwache Wachstum bei Großbatterien schlug jedoch nicht durch, da die Branche mit Industriespeichern die Umsätze mehr als auffangen konnte. Industriespeicher werden zumeist für verschiedene Anwendungen genutzt (z.B. Spitzenlastkappung, Unterbrechungsfreie Stromversorgung, Notstromversorgung) und sind nun zunehmend auch zur Optimierung der Eigenversorgung im Industrieunternehmen mit grünem Strom im Einsatz. Als weitere Anwendung für Speicher im Industrie-, Gewerbe- und Handelsbereich rückt der Einsatz als Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität in den Vordergrund.

Damit werden Speicher auch eine Schlüsseltechnologie für die Sektorenkopplung. Insbesondere Ladeinfrastruktur mit Pufferspeichern als Leistungs-Booster für schnelle Ladezeiten sind ein wichtiger Baustein für die Alltagstauglichkeit von E-Autos und damit für die Verkehrswende.

Deutlich im Aufwind sind dieses Jahr auch thermische Speicher. Die innovativen technischen Lösungen entwickeln sich rasch und die Zahl der Anbieter (von Abwärme bis Prozesswärme) steigt. Eine Vielzahl von Hausspeichern wird mittlerweile zusammen mit einer Wärmepumpe und einem Wärmespeicher installiert. Dezentrale Energielösungen über die Sektoren Strom, Wärme, Mobilität in einem digitalen System vereint, sind so zunehmend Alltag.

Die Bremsen für Speichersysteme in Deutschland müssen nun rasch gelöst werden, gerade wenn ein dekarbonisiertes Energiesystem, das stabil und sicher Deutschland versorgt, erreicht werden soll. „Deutschland hat sich gegen fossile Energie und für die Erneuerbaren entschieden. Aus dieser Entscheidung folgt ein vollkommen neues Energiesystem, das nicht in das althergebrachte Raster passt und grundlegend neu aufgestellt werden muss“, sagt Windelen und betont: „Dieser Ausrichtung und diesem Ziel muss nun aber auch endlich der rechtliche Rahmen folgen. Herumdoktern an Symptomen führt nicht weiter.“

Welche Schritte für ein dekarbonisiertes und gleichzeitig versorgungssicheres Energiesystem notwendig sind, hat der BVES in seinen Wilsdruffer Thesen formuliert. Die Abkehr vom EEG und der Einstieg in verursachungsgerechte CO2-Preise sind nur zwei der zehn notwendigen Schritte bis 2030.

Urban Windelen: „Die EU ist hier schon wesentlich weiter. Deutschland ist gefordert, die aktuellen Anstöße aus der Erneuerbaren- und der Binnenmarktrichtlinie aufzunehmen und schnell umzusetzen. Anderenfalls verliert Deutschland auch industriepolitisch den Anschluss und eine innovative aufstrebende Branche mit hohem Wertschöpfungspotential.“